Prozessschritt 3: CSR-Risiken identifizieren

Identifizieren Sie die Menschenrechts- und Umweltrisiken in Ihrer Lieferkette
Identifizieren Sie potenzielle und tatsächliche Risiken, indem Sie die in Prozessschritt 2 formulierte Liste Ihrer eingekauften und verwendeten Rohstoffe, Produkte und Dienstleistungen sowie deren Herkunftsländer heranziehen. Kategorisieren Sie die Risiken nach Menschenrechts- und Umweltthemen (z. B. Arbeitsbedingungen, Auswirkungen auf lokale Gemeinschaften, Kinderarbeit, Biodiversität und Entwaldung, Boden- und Wasserverschmutzung etc.), um systematisch vorzugehen.
Der OECD-Leitfaden für die Erfüllung der Sorgfaltspflicht sowie die OECD-Leitlinien für verschiedene Branchen liefern hierfür eine gute Systematik.
1. Potenzielle Risiken identifizieren (länder- und produktbezogen)
Produktbezogene Risiken
Verschaffen Sie sich zunächst einen Überblick über relevante Menschenrechts- und Umweltrisiken in Ihrer Branche und erfassen alle potenziellen menschenrechtlichen und ökologischen Risiken, die mit Ihren Produkten und Dienstleistungen zusammenhängen.
Länderbezogene Risiken
Verschaffen Sie sich einen Überblick über relevante Menschenrechts- und Umweltrisiken in den Ländern, aus denen Sie Produkte und Dienstleistungen beziehen bzw. in denen Sie eigene Geschäftsaktivitäten durchführen.
Nutzen Sie hierfür Indizes, Länderberichte und sonstige unabhängige Informationen zur Menschen- und Umweltrechtssituation in den verschiedenen Ländern.
Die nachfolgende “ESG Index Risk Map” der Risk Watch Initiative bietet einen schnellen und guten Überblick über die potenziellen Risiken verschiedener Länder:
2. Tatsächliche Risiken identifizieren (lieferantenbezogen)
Auf der Grundlage Ihres branchen- und länderbezogenen Überblicks über potenzielle Risiken können Sie nun ermitteln, welche Risiken auf Ihr Unternehmen tatsächlich zutreffen. Binden Sie dafür Ihre Mitarbeitenden und Direktlieferanten ein sowie weitere externe Quellen ein.
Tipp: Beginnen Sie mit der Analyse strategischer Lieferanten, wenn Sie komplexe Lieferketten (viele verschiedene Produkte und Lieferanten) haben. Strategische Lieferanten haben einen größeren Einfluss in Bezug auf das Volumen und langfristig angelegte Beziehungen sind eine gute Basis für Verbesserungen.
- Wenn Sie bereits einen Beschwerdemechanismus implementiert haben: Nutzen Sie die Informationen aus Meldungen, die Ihr Unternehmen erreicht haben.
- Achten Sie auf Merkmale, wie vorhandene Managementsysteme, die Reputation des Lieferanten, die Beziehung zum Lieferanten (Druck auf Lieferzeit / Preis, befristete Verträge etc.).
Mit einer Risikoanalyse werden die menschenrechtlichen und umweltbezogenen Risiken im eigenen Geschäftsbereich und bei unmittelbaren Zulieferern ermittelt.
Hierbei gelten die folgenden Anforderungen:
- Festlegung einer betriebsinternen Zuständigkeit für die Überwachung des Risikomanagements (z.B. Benennung eines Menschenrechtsbeauftragten)
- Weitergabe der Ergebnisse an maßgebliche Entscheidungsträger (z.B. Vorstand, Einkaufsabteilung, etc.)
- Die Risikoanalyse ist 1x im Jahr sowie anlassbezogen durchzuführen, d.h. wenn mit wesentlicher Veränderung der Risikolage gerechnet werden muss (z.B. bei Einführung neuer Produkte, Projekte oder Geschäftsfelder).
Konkret umfasst das LkSG die Beachtung der folgenden menschenrechtlichen und umweltbezogenen Risiken in der Lieferkette:
Menschenrechtliche Risiken
- Kinderarbeit
- Zwangsarbeit / Sklaverei
- Arbeitsschutz
- Vereinigungsfreiheit
- Ungleichbehandlung
- Angemessener Lohn
- Handeln von Sicherheitsdiensten
- Schädliche Umweltveränderungen
- Landnutzungsrechte
Umweltbezogene Risiken
- Quecksilber, POPs & gefährliche Abfälle
Wir stehen Ihnen für Fragen rund um die Themen CSR, nachhaltige Lieferketten und CSR-Risikomanagement gerne zur Verfügung:
Downloads und Links
Quellen zu Risiken
CSR Risiko-Check (Future Up, MVO & Helpdesk Wirtschaft und Menschenrechte)
Business & Human Rights Resource Centre
Risikodatenbank (BAFA)
Country Reports on Human Rights (US Department of State)
Länder-Risikoberichte (Germany Trade & Invest)
Child Labour Observatory (ILO)
Unterstützungsangebote
KMU Kompass – Risiken identifizieren und bewerten (GIZ)
Human rights impact assessment guidance & toolbox (DIHR)
Due Diligence Guidance for Responsible Business Conduct (OECD)
Praxisbeispiele „Risiken ermitteln“ (BMAS)
Handlungsanleitung Risikoanalyse (Branchendialog Automobilindustrie)
Standards und Gesetze
Guidelines for Multinational Enterprises (OECD)
Risikoanalyse gemäß LkSG (BAFA)
Angebote der Bundesregierung
Weitere Informationen zum Thema und Umsetzungshilfen wie Leitfäden, Praxisbeispiele sowie Beratungs- und Schulungsangebote finden Sie auf der zentralen Plattform der Bundesregierung zu Wirtschaft und Menschenrechten. Besonders hinweisen möchten wir auf den Helpdesk Wirtschaft & Menschenrechte der Bundesregierung.
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